Ausbildung zum Segelflugzeugführer

Foto: U.Kühnapfel
Windenstart im ASK 21 Schulungs-Doppelsitzer

"Es wird schwer sein, demjenigen, welcher derartige Gleitflüge nie versucht hat, eine richtige Vorstellung von den Reizen einer solchen schwungvollen Bewegung zu verschaffen. Die Tiefe, über welche man dahinschwebt, verliert ihre Schrecken, wenn man aus Erfahrung weiß, wie sicher man sich auf die Tragfähigkeit der Luft verlassen kann. Wenn man, auf breiten Fittichen ruhend, von nichts als der Luft berührt... mit einem gut erprobten Apparat dahingleitet, der dem leisesten Druck gehorchend sich unserem Willen fügt, so läßt das Gefühl der Sicherheit die Gefahr bald vergessen... wie es überhaupt ein unbeschreibliches Vergnügen ist, hoch in den Lüften sich über sonnigen Berghängen zu wiegen, ohne Stoß, ohne Geräusche, nur von einer leisen Aeolsharfenmusik begleitet, welche der Luftzug den Spanndrähten des Apparates entlockt."
(Otto Lilienthal)

Ohne Formalitäten geht es nicht

Auch in der Fliegerei gibt es Formalitäten. Das fliegerärztliche Tauglichkeitszeugnis muß uns als dem ausbildenden Verein ebenso eingereicht werden wie eine beglaubigte Kopie der Geburtsurkunde, eine Erklärung über schwebende Strafverfahren und bei Minderjährigen eine Zustimmungserklärung der gesetzlichen Vertreter. Jeder ausbildende Verein ist vom Gesetzgeber verpflichtet, sich diese Unterlagen vor Ausbildungsbeginn vom Flugschüler aushändigen zu lassen. Hinzu kommen noch vereinsinterne Papiere wie Aufnahmeantrag, Versicherungsbelehrung, usw. ...

Fliegerarzt aufsuchen

Die Ausbildung zum Segelflieger oder zur Segelfliegerin beginnt mit dem Besuch beim Fliegerarzt. Denn auf diese Weise vermeidet man eine Enttäuschung, wenn später alle Unterlagen eingereicht sind und der Fliegerarzt seine Zustimmung doch noch verweigern muß. Welcher Arzt aus der näheren Umgebung fliegerärztliche Untersuchungen durchführt, erfährt man bei uns. Übrigens: Der Fliegerarzt unternimmt keinen Astronauten- oder Jetpiloten-Test, sondern er prüft lediglich, ob nach der gesundheitlichen Verfassung des Untersuchten Bedenken bestehen, diesen ein Segelflugzeug führen zu lassen. Eine Brille braucht zum Beispiel kein Hindernis zu sein, die Sache ist halb so schlimm, wie es sich anhört.

Die Praxis kann beginnen

Auf unserem doppelsitzigen Schulflugzeug ASK 21 lernt der Flugschüler zunächst einmal die Grundkenntnisse des Fliegens: die Handhabung des Flugzeugs am Boden, die Kontrollen vor dem Flug, die Ruderwirkungen, Geradeausflug, Kurvenflug und immer wieder Start und Landung.

Der Fluglehrer fliegt dabei auf dem hinteren Sitz mit, demonstriert am Anfang, läßt den Flugschüler zunehmend allein wirken, verbessert nur noch dann und wann, bis er schließlich gar nichts mehr zu tun braucht und der Flugschüler, je nach persönlichem Einsatz und individueller Begabung, der eine früher, der andere später, allein fliegen kann (A-Prüfung).

Das Erlebnis des ersten Alleinflugges hat eine besondere Faszination, die hier nur kläglich beschrieben werden kann. Lassen wir das, und wenden uns dem weiteren Ausbildungsgang zu. Nach weiteren Alleinflügen lernt der Flugschüler Besonderheiten im Landeanflug, übt steilere Kreise, Kurvenwechsel, Schnellflug und beendet diesen Teil seiner Ausbildung mit der B-Prüfung.

Bevor die C-Prüfung abgelegt wird, lernt der Schüler die wichtigsten Kniffe für den Thermikflug und die späteren Überlandflüge: das Anfliegen und Zentrieren der Thermik, das Fliegen nach Kompasskursen, und er erhält Einweisungen in Grenzflugzustände. Er fliegt jetzt unseren Übungseinsitzer LS 4b als zusätzliches Muster. Der letzte Ausbildungsabschnitt vermittelt die erforderliche Praxis um die Schüler zu einem Überlandflug von mindestens 50 Kilometern zu befähigen, den er allein vorbereiten und durchführen muß.

Theoretischer Unterricht im Winter

Zwischenzeitlich ist unser Flugschüler oft und lange am Flugplatz gewesen, auf ein weiteres Flugzeugmuster umgeschult worden und hat, meistens in den Wintermonaten, auch am theoretischen Unterricht teilgenommen. Die Prüfungsbehörden verlangen mindestens 60 Unterrichtsstunden in den Fächern: Meteorologie, Technik, Luftrecht, Navigation und "Verhalten in besonderen Fällen".

Nach Abschluß der vereinsinternen Ausbildung kann man sich zur amtlichen theoretischen und praktischen Prüfung zum Luftfahrerschein anmelden. Diese wird - zusammen mit der Prüfung zum Funksprechzeugnis - von der Luftfahrtbehörde des betreffenden Bundeslandes durchgeführt, in unserem Fall vom Regierungspräsidium Karlsruhe.

Flugsicherheit

Alle unsere aktiven Mitglieder treffen sich einmal im Frühjahr zur Auffrischung der fliegerischen Kenntnisse. Dabei werden alle wichtigen Themen behandelt, die dem unfallfreien Fliegen förderlich sind, z.B. Verhalten in besonderen Fällen, Verhalten am Boden, Windenstart, Kunstflug, Fallschirmbenutzung (siehe Merkblatt für Fallschirmbenutzer).


Hintergrundwissen

Die folgenden Seiten basieren teilweise auf Texten von der Fliegergruppe an der RWTH Aachen e.V., die sich die Mühe gemacht haben die Texte zusammenzustellen. Ein herzliches Dankeschön an die Fliegerkollegen aus Aachen !
Die Texte wurden inzwischen (2006) auf unserem eigenen Server in erheblich modifizierter Form gespiegelt (kopiert), da eine direkte Verknüpfung nach Aachen leider nicht mehr möglich war.
Über die Geschichte
Von den Anfängen der Fliegerei und des Segelfliegens.

Segelfliegen, wie funktioniert das?
Über Thermik, Technik, Instrumente, Steuerung.

Literaturliste
Empfehlenswerte Literatur über das Segelfliegen.